Donnerstag, 18. Oktober 2018
Notruf: 122

1920er Jahre

Der erste Weltkrieg hatte die Feuerwehrmitglieder dezimiert, ebenso war in organisatorischen Belangen ein Niedergang zu verzeichnen. Bei der Neuwahl des Ausschusses, wie das Kommando in jener Zeit hieß im Jahre 1923 übernahmen der Schloßermeister Roman Hofinger die Obmannstelle, Baumeister Sepp Fischer die Stellvertreterstelle, Lehrer Franz Polz wurde Schriftführer, Lehrer Johann Hinterwaldner wurde Kassier, Kaufmann Karl Wagner wurde Zeugwart.

Man ging mit großem Engagement daran, einiges im organisatorischen Bereich zu verbessern. Man führte eine Bereitschaft ein, welche Karl Wagner einteilte und auch an seinem Hause eine Bereitschaftseinteilungstafel anbrachte. Feuermeldestellen beim Polz, Fischer (Binder), Ecker, Wagner, Renetseder (Wirt) und Hofinger wurden eingerichtet und mit einer Tafel an der Hausmauer gekennzeichnet. Das Rüstzeug wurde einer Generalsanierung unterzogen. Für die Kameraden fertigte Tischler Klaffenböck Stellagen im Depot an, um die Ausrüstung ordentlich verstauen zu können.

Man legte in dieser Zeit auch fest, dass jenen Wirten die Monatsversammlungen entzogen werden, die sich nicht selbst aktiv am Feuerwehrdienst beteiligten. Im Jahre 1923 hatte nach wie vor die Marktkommune Feuerwehrausrüstung im Eigentum, welches nun auch inventarisiert wurde. Diese ersten Nachkriegsjahre waren geprägt von vielfältigen Anschaffungen, wie Schläuchen, Saugschläuchen, verschiedenste Bekleidungsstücke, Leitern, Schaufeln, Krampen, etc., dabei waren immer wieder die Einnahmen der Bälle, sowie die Unterstützung der Marktgemeinde erforderlich. Die Beträge spiegeln die fortgeschrittene Inflation wieder.

Der Ball im Jahre 1923 erbrachte zum Beispiel 443.491,-- Kronen, wovon 400.000,-- Gewinn übrig blieben. 1924 brachte der Ball 1.500.000,-- Kronen ein und die Gemeinde Neukirchen am Walde spendete 2.000.000,-- Kronen. Dies hört sich sehr viel an, wenn man jedoch die Kosten der Saugschläuche in der Höhe von 937.000,-- Kronen betrachtet, relativieren sich die Beträge. Zu den Aufgaben einer Feuerwehr in der Zwischenkriegszeit gehörte auch das Rettungswesen, daher wurde der Wehr auch eine entsprechende Sanitätsabteilung angeschlossen. Dr. Fritz Stoiber, Gemeindearzt und Feuerwehrmann erteilte Sanitätsunterricht unter den Kameraden und es wurde Verbandsmaterial angeschafft. Die heute üblichen Feuerwehrpässe nahmen ihren Ursprung mit der Anschaffung von 60 Pässen, welche am 18. Jänner 1925 beschlossen worden ist.

Feuerwehr-Pass des Hubert Ecker, welcher von 1902 bis zu seinem Tod 1973 Feuerwehrmitglied war.

 

Eine wichtige Modernisierung der Ausrüstung stellte die Anschaffung einer Motorspritze dar. Schon seit 1925 war der Ankauf selbiger im Gespräch. Das Fehlen von ausreichenden finanziellen Mitteln verzögerte das Vorhaben jedoch über Jahre. Auch die Gemeinden Neukirchen am Walde, Eschenau und Natternbach schlugen Kostenbeteiligungen lange aus. Im August 1928 schließlich fuhren Wehrführer Ferdinand Graf, Kassier Hinterwaldner und Kamerad Bogner nach Linz zur Firma Rosenbauer, um über den Ankauf eines „Leichtmotoren Aggregates, Größe I“ zu verahandeln.

Der Kaufpreis wurde mit S 4.000,-- festgesetzt.

Motorspritze, 1928

Kamerad Johann Bogner unterstützt die Feuerwehr beim Ankauf der Motorspritze mit einem privat aufgenommenen Darlehen

 

Die freiwillige Feuerwehr Neukirchen am Walde nahm auch regelmäßig an Festtagen teil. Der immer wieder als „Bruderverein“ bezeichnete „Feldmarschall Graf Radetzky Krieger Veteranen Verein Neukirchen am Walde“ feierte am 23. Juni 1929 sein 50- jähriges Gründungsfest mit Fahnenweihe. Da durfte natürlich die heimische Wehr nicht fehlen, als man vor dem alten Kriegerdenkmal das Fest feierte.

 


Dankend zur Verfügung gestellt von:

Thomas G. E. E. Scheuringer

Neukirchner Heimatblätter, Jahrgang 11, Nummer 15, Juni 2008
Herausgeber:
Kultur & Kunst Neukirchen am Walde/Eschenau
Verein für Kultur, Kunst und Heimatpflege
im O.Ö. Volksbildungswerk
A-4724 Neukirchen am Walde, Postfach 1