Montag, 10. Dezember 2018
Notruf: 122

1938 - 1945

Unmittelbar nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich wird in der Monatsversammlung am 20. März 1938 von der Delegiertentagung in Peuerbach berichtet, dass die Freiwilligen Feuerwehrvereine „mit heutigem Tage“ aufgelöst wären und nun als Körperschaften des öffentlichen Rechtes weiter bestünden.

Man beschäftigte sich in diesen Wochen und Monaten weiter mit der Planung und Durchführung des 50jährigen Gründungsfestes, welches am 10. Juli 1938 stattfand. Das Resümee des neuen Schriftführers Leopold Huber über das Jahr 1938 verzeichnete politisch bedingt einen Rückgang der Mitglieder auf 22 ausübende und 5 altgediente Mitglieder. 5 Wehrmänner seien abgewandert und einer verstorben.

Der 22. Jänner 1939 brachte noch eine letzte Wahl des Ausschusses, wobei Rudolf Berghamer zum Wehrführer, Franz Wohlfahrt zum Stellvertreter, Leopold Huber zum Schriftführer, Hans Polz zum Hauptkassier, Anton Bayer zum Mannschaftskassier und Leopold Stutz zum Zeugwart gewählt wurde. Das Jahr 1939 brachte nun eine raradikale Neuorganisation des Feuerwehrwesens. Das Rettungswesen wurde nun aus dem Verantwortungsbereich der Feuerwehr ausgegliedert und dem Roten Kreuz und anderen Organisationen übertragen.

Die Feuerwehr Neukirchen am Walde als „Körperschaft des öffentlichen Rechtes“ beim Jubiläumsfest am 10. Juli 1938 - Die Uniformen zeigen ein „buntes Gemisch“ von kaiserzeitlichen Helmen und Fahne, teilweise blaue Zwischenkrigsuniformen oder auch Zivilkleidung.

Die Feuerwehr wurde zur technischen Hilfspolizeitruppe und in die Ordnungspolizei einbezogen. In Hinblick auf Ausrüstung und Finanzierung blieb sie der Gemeinde zugeordnet. Ein letztes Protokoll aufgenommen am 16. August 1939 bereits unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Kaltseis verkündete den anwesenden 21 Mann die Eingliederung in die „Deutsche Feuerschutzpolizei“. Die anwesenden 21 Wehrmänner und der Wehrführer erklärten sich bereit, weiterhin den Dienst zu versehen. Bürgermeister
Kaltseis nahm jedem einzelnen per Handschlag den Eid ab. Aufgrund der Zusammenlegung der Marktgemeinde Neukirchen am Walde mit Eschenau wurden entsprechend der Deutschen Feuerpolizeiordnung die Feuerwehren Eschenau und Aubach der Feuerpolizei Neukirchen am Walde unter dem Kommando des Rudolf Berghamer unterstellt.

Der Schriftführer Leopold Huber schließt seine Eintragungen in das nun nicht mehr benötigte Protokollbuch mit den Worten „Kameraden! Männer in der Heimat haltet treue Wacht und schützet unsere Heimat. Wir halten in der Ferne Wacht und schützen die Heimat von der Feindesmacht. Nun lebt wohl aufs Wiedersehn! Leopold Huber am 12. Jänner 1940“

Weitere Aufzeichnungen führte die Wehr nun nicht mehr, da die geänderten Strukturen eine andere Informationspolitik, größtenteils über die Gemeindeverwaltung, brachten. Die Praxis des geplanten Feuerwehrwesens zeigte hauptsächlich Übungen und Informationen über Maßnahmen bei Luftangriffen. Praktisch alle jungen Feuerwehrmänner kamen an die verschiedenen Fronten des zweiten Weltkrieges.


 

Dankend zur Verfügung gestellt von:

Thomas G. E. E. Scheuringer

Neukirchner Heimatblätter, Jahrgang 11, Nummer 15, Juni 2008
Herausgeber:
Kultur & Kunst Neukirchen am Walde/Eschenau
Verein für Kultur, Kunst und Heimatpflege
im O.Ö. Volksbildungswerk
A-4724 Neukirchen am Walde, Postfach 1